Viele Agenturen kennen die Situation: Der Webkunde fragt, ob ihr nicht auch Google Ads macht. Wer dann Nein sagt, verweist ihn an eine andere Agentur und verliert im schlechtesten Fall den ganzen Kunden. Wer Ja sagt, ohne Know-how im Haus zu haben, geht ein Risiko ein. White-Label ist der Mittelweg.
In diesem Artikel beschreibe ich, wie so eine Zusammenarbeit in der Praxis aufgebaut sein sollte: Rollen, Formate, Zugriff, Kommunikation, Berichte und Preislogik. Ich schreibe das aus der Sicht dessen, der diese Rolle im Hintergrund übernimmt. Wie ich konkret mit Agenturen arbeite, steht auf der Seite Google Ads Whitelabel.
Was White-Label hier bedeutet
Du bist gegenüber deinem Kunden der Ansprechpartner und der Anbieter. Der Partner führt die Google-Ads-Arbeit aus: Audit, Aufbau, laufende Betreuung. Berichte und Dokumente erscheinen in deinem Design. Der Endkunde bekommt eine Leistung aus einer Hand, du behältst Beziehung und Marge.
Das setzt Vertrauen und klare Absprachen voraus. Ohne beides entstehen Doppelarbeit, Missverständnisse und im Zweifel Ärger beim Kunden.
Drei Formate, je nach Tiefe
Aus meiner Praxis lassen sich drei Formate unterscheiden:
- Audit als Einzelleistung. Du verkaufst Konto-Audits an deine Kunden, der Partner liefert den Bericht in deinem Format. Das ist der niedrigschwellige Einstieg und zeigt dir schnell, ob die Zusammenarbeit passt. Was ein Audit prüft, siehst du auf der Seite Google Ads Audit.
- Setup als Projekt. Du gewinnst einen Kunden mit Google Ads als Teil des Auftrags. Der Partner baut Konto, Tracking und Kampagnenstruktur auf, du übernimmst Briefing und Übergabe.
- Laufende Betreuung. Der Partner übernimmt die Ausführung, du das Account-Management. Das ist die intensivste Form und braucht die meisten Absprachen.
Starte nicht mit dem größten Format. Ein einzelnes Audit oder Setup ist ein guter Test, bevor du dauerhaft Kundenkonten übergibst.
Wer macht was
Schreibe die Aufteilung auf, bevor das erste Konto angefasst wird:
| Aufgabe | Bei dir | Beim Partner |
|---|---|---|
| Kundenbeziehung, Vertrag, Rechnung | ✓ | |
| Briefing, Ziele, Budgetrahmen | ✓ | berät |
| Kontoaufbau, Tracking, Kampagnen | ✓ | |
| Laufende Optimierung | ✓ | |
| Berichte erstellen | ✓ (in deinem Design) | |
| Berichte besprechen und Rückfragen des Kunden | ✓ | liefert Hintergrund |
Tabelle seitlich scrollbar
Der Punkt, an dem es in der Praxis am häufigsten hakt, ist das Briefing: Ziele wie „mehr Anfragen" sind zu unscharf. Je genauer du Geschäftsmodell, Einzugsgebiet, Angebote und Margen kennst, desto besser kann der Partner arbeiten.
Zugriff und Konto-Eigentum
Das Google-Ads-Konto sollte immer dem Endkunden gehören. Der Kunde ist Inhaber, mindestens eine Person bei ihm hat Administrator-Rechte, du und der Partner arbeiten mit passenden Zugriffsebenen. Das schützt alle Beteiligten, auch bei einem späteren Wechsel. Warum diese Reihenfolge wichtig ist, erkläre ich im Beitrag Google Ads Agentur kündigen und wechseln: Checkliste 2026.
Klär außerdem früh, wer Zugriffe einrichtet und wer sie nach Projektende wieder entfernt.
Kommunikation und Vertraulichkeit
Bewährt hat sich ein fester Kanal zwischen dir und dem Partner, zum Beispiel ein gemeinsamer Chat, statt dass Kunden oder wechselnde Personen aus deinem Team einzeln schreiben. Der Partner kommuniziert nicht direkt mit deinem Kunden, es sei denn, ihr vereinbart es ausdrücklich.
Eine Vertraulichkeitsvereinbarung gehört zum Standard, weil Kundendaten, Preise und Konten betroffen sind. Bei mir ist sie vorgesehen, bevor die Zusammenarbeit beginnt.
Berichte
Der Bericht ist das, was dein Kunde sieht. Lege deshalb fest: In welchem Rhythmus, mit welchen Kennzahlen, in welchem Format, und wer kommentiert ihn gegenüber dem Kunden? Empfehlenswert sind wenige, verständliche Zahlen mit einer Einordnung statt einer Datenflut. Zahlen allein sagen wenig, die Einordnung macht den Wert aus.
Preislogik und Marge
Du legst deine Verkaufspreise selbst fest. Der Partner liefert feste Preise pro Leistung, auf die du aufschlägst. Damit kalkulierst du sauber: Was kostet mich die Leistung, was verlange ich vom Kunden, was bleibt? Konkrete Preise nenne ich für Whitelabel auf Anfrage.
Grenzen, die ich offen ansprechen würde
- Keine Ergebnisgarantien. Sag das auch deinen Kunden, bevor sie es erwarten.
- Kapazität. Ein Partner im Hintergrund hat nicht unbegrenzt Zeit. Plane laufende Betreuung nach Absprache und rechtzeitig.
- Eingegrenzter Auftrag. Google Ads ist nicht alles: Website, Tracking-Einwilligung und Angebot müssen beim Kunden stimmen. Ich biete kein SEO an.
Wenn du es ausprobieren willst
Ein guter erster Schritt ist ein einzelnes Audit für einen Bestandskunden. Auf der Seite Google Ads Whitelabel siehst du die Formate und kannst eine Partnerschaft anfragen.
Stand: November 2026




