Der wichtigste Satz zuerst: Kündige deiner Google Ads Agentur niemals, bevor du geklärt hast, wem das Konto gehört und ob du Admin-Zugriff auf alle Systeme hast. Aus meiner Praxis ist genau das der Fehler, der beim Agenturwechsel am meisten Geld kostet, nicht die Kündigung selbst.
Ein Agenturwechsel ist kein Drama, wenn er geordnet abläuft. Er wird zum Drama, wenn nach der Kündigung plötzlich das Konto weg ist, das Tracking auf einem fremden Google-Tag-Manager-Container läuft oder niemand mehr weiß, wo die Conversion-Daten der letzten zwei Jahre liegen.
Dieser Guide führt dich Schritt für Schritt durch den Wechsel: Warnsignale, die Vorbereitung vor der Kündigung, Kündigung und Fristen, eine komplette Datenübergabe-Checkliste, die Konto-Übergabe samt Tracking-Zugängen und die ehrliche Antwort auf die Frage, wie du ein Performance-Loch vermeidest.
Warnsignale: Wann du über einen Wechsel nachdenken solltest
Nicht jede Unzufriedenheit rechtfertigt einen Wechsel. Manchmal reicht ein klärendes Gespräch. Diese Signale sind aus meiner Erfahrung aber ernstzunehmende Warnzeichen:
- Du hast keinen Zugriff auf dein eigenes Google-Ads-Konto. Du bekommst nur PDF-Reports, aber keine Login-Daten. Das ist das größte Warnsignal überhaupt.
- Blackbox-Reporting. Du siehst Klicks und Impressionen, aber keine Conversions, keine Kosten pro Abschluss, keine Aussage darüber, was konkret optimiert wurde. Woran du gute Betreuung stattdessen erkennst, habe ich im Artikel über gute Google Ads Betreuung ausführlich beschrieben.
- Keine Erreichbarkeit. Rückfragen dauern Wochen, dein Ansprechpartner wechselt ständig oder existiert nur im Vertrieb.
- Leerer Änderungsverlauf. Google Ads protokolliert jede Änderung im Konto. Wenn dort über Monate fast nichts passiert, zahlst du für Betreuung, die nicht stattfindet.
- Das Konto gehört der Agentur. Deine Kampagnen laufen in einem Konto, das die Agentur angelegt hat und das bei Kündigung „verfällt". Dazu gleich mehr. Dieser Punkt entscheidet über deinen gesamten Wechsel.
- Unerklärliche Kosten. Wenn du nicht nachvollziehen kannst, wofür du zahlst, lies zum Vergleich, was eine Google Ads Agentur üblicherweise kostet und welche Leistungen enthalten sein sollten.
Wichtig zur Einordnung: Schwankende Performance allein ist kein Kündigungsgrund. Saisonalität, Wettbewerb und Marktveränderungen betreffen jede Agentur. Ein Muster aus Intransparenz, Unerreichbarkeit und fehlendem Kontozugriff dagegen schon.
Der kritischste Punkt: Wem gehört dein Google-Ads-Konto?
Bevor du irgendetwas kündigst, beantworte diese eine Frage. Es gibt zwei Modelle:
Modell 1: Das Konto gehört dir. Es wurde mit deiner E-Mail-Adresse angelegt, läuft über dein Zahlungsprofil, und die Agentur greift über ihr Verwaltungskonto (MCC) darauf zu. Das ist der saubere Standard. Beim Wechsel entfernst du die Verknüpfung der alten Agentur und verknüpfst die neue: Kampagnen, Historie und Daten bleiben vollständig erhalten.
Modell 2: Das Konto gehört der Agentur. Die Agentur hat das Konto in ihrer eigenen Struktur angelegt, oft inklusive Abrechnung über ihr Zahlungsprofil. Du bist rechtlich Kunde der Agentur, nicht Inhaber des Kontos. Bei Kündigung kann die Agentur das Konto behalten oder stilllegen, und mit ihm die gesamte Kampagnen-Historie, alle Conversion-Daten und die Lernhistorie der Gebotsstrategien.
So findest du es heraus:
- Logge dich (falls möglich) in das Konto ein und prüfe unter Verwaltung → Zugriff und Sicherheit, welche E-Mail-Adressen Administratorrechte haben.
- Prüfe unter Abrechnung, über wessen Zahlungsprofil die Klickkosten laufen.
- Frag die Agentur schriftlich: „Bestätigt ihr, dass das Google-Ads-Konto mit der Kundennummer X in unserem Eigentum steht und bei Vertragsende vollständig übergeben wird?"
Wenn die Antwort ausweichend ausfällt, weißt du, woran du bist, und solltest die Übergabe umso sorgfältiger vorbereiten.
Was du vor der Kündigung sicherstellen musst
Erst sichern, dann kündigen. Diese vier Bereiche gehören unter deine Kontrolle, bevor die Kündigung rausgeht:
1. Admin-Zugriff auf das Google-Ads-Konto
Lass dir Administratorzugriff auf eine E-Mail-Adresse deines Unternehmens einrichten, nicht auf eine private Adresse eines Mitarbeiters. Notiere die Kundennummer (die zehnstellige Nummer oben rechts im Konto). Ohne Admin-Zugriff kannst du später weder die alte Agentur entfernen noch die neue verknüpfen.
2. Zugänge zu Tracking und Analytics
Das Google-Ads-Konto ist nur die halbe Miete. Genauso wichtig:
| System | Was du brauchst | Warum |
|---|---|---|
| Google Tag Manager | Container-Zugriff mit Veröffentlichen-Rechten | Hier liegt meist dein komplettes Tracking |
| Google Analytics 4 | Administratorrolle auf Property-Ebene | Conversion-Import, Zielgruppen, Verlaufsdaten |
| Google Merchant Center | Admin-Zugriff (bei Shopping-Kampagnen) | Produktdaten-Feed und Verknüpfungen |
| Google Unternehmensprofil | Inhaberschaft (bei lokalen Kampagnen) | Standort-Assets, lokal ausgerichtete Kampagnen (z. B. Performance Max mit Ladenzielen) |
Tabelle seitlich scrollbar
Läuft dein Tracking über einen GTM-Container der Agentur, kläre, ob der Container übertragen werden kann, oder plane den Neuaufbau in einem eigenen Container ein. Wie sauberes Tracking aufgebaut ist, erklärt der Guide zum Conversion Tracking einrichten.
3. Kampagnen-Historie und Berichte exportieren
Auch wenn das Konto dir gehört: Exportiere vor dem Wechsel die wichtigsten Daten als Sicherung.
- Kampagnen-Struktur über den Google Ads Editor (komplettes Konto als Datei)
- Leistungsberichte der letzten 12 bis 24 Monate (Kampagnen, Anzeigengruppen, Keywords, Suchbegriffe)
- Liste der Conversion-Aktionen inklusive Zählweise und Attributionseinstellung
- Zielgruppen- und Remarketing-Listen (zumindest als Dokumentation)
4. Rechnungs- und Vertragsunterlagen
Sammle alle Rechnungen, den Vertrag und die Leistungsbeschreibung. Du brauchst sie für die Kündigungsfrist, und die neue Betreuung braucht sie, um zu verstehen, was bisher vereinbart war.
Kündigung und Fristen
Bevor die Kündigung rausgeht, lies deinen Vertrag. Vorab zur Einordnung: Das hier ist keine Rechtsberatung, sondern die Checkliste, mit der ich Verträge gemeinsam mit Kunden durchgehe. Bei unklaren Klauseln oder einer langen Restlaufzeit ist eine Stunde bei einem Anwalt gut investiert.
Laufzeit, Kündigungsfrist und Verlängerung
- Laufzeit und Kündigungsfrist. Erfahrungsgemäß üblich sind ein bis drei Monate zum Monatsende. Bei 12-Monats-Verträgen mit automatischer Verlängerung kann eine verpasste Frist ein weiteres Jahr bedeuten. Prüfe das Datum genau.
- Automatische Verlängerungsklauseln. Manche Verträge verlängern sich still um die ursprüngliche Laufzeit, wenn nicht rechtzeitig gekündigt wird.
- Letzten Kündigungstag ausrechnen. Rechne vom Vertragsende rückwärts. Ein konstruiertes Beispiel: Endet die Laufzeit am 31. Dezember und beträgt die Frist drei Monate, muss die Kündigung spätestens am 30. September bei der Agentur angekommen sein. Trag dir diesen Tag mit ein paar Wochen Puffer in den Kalender.
Form und Nachweis
Welche Form der Vertrag verlangt, steht meist in den AGB oder im Vertrag selbst: E-Mail, Brief, manchmal ein Kundenportal. Halte dich genau an diese Form und sorge für einen Nachweis. Im Streitfall musst du belegen können, dass und wann die Kündigung angekommen ist. Eine E-Mail mit schriftlicher Eingangsbestätigung der Agentur oder ein Einschreiben erfüllen diesen Zweck.
Unternehmen oder Verbraucher: welche Schutzregeln greifen
Für Verbraucher zieht das BGB in § 309 Nr. 9 enge Grenzen für AGB bei Dauerverträgen: keine bindende Erstlaufzeit über zwei Jahre, keine stillschweigende Verlängerung ohne monatliche Kündigungsmöglichkeit, keine Kündigungsfrist über einen Monat. Wer Google Ads für sein Unternehmen schaltet, ist aber in aller Regel Unternehmer, und für AGB gegenüber Unternehmern gelten diese Klauselverbote laut § 310 Abs. 1 BGB nicht unmittelbar. Maßstab ist dann die allgemeine Inhaltskontrolle nach § 307 BGB. Praktisch heißt das: Als Unternehmen kannst du dich weniger auf gesetzliche Obergrenzen verlassen und musst genauer lesen, was du unterschrieben hast. Ob eine Klausel im Einzelfall angreifbar ist, kann nur ein Anwalt beurteilen.
Worauf du im Vertrag achtest
- Kontoklausel. Steht im Vertrag, wem das Google-Ads-Konto, der GTM-Container und die GA4-Property gehören? Fehlt das, fordere die Bestätigung schriftlich ein, bevor du kündigst.
- Übergaberegelungen. Steht im Vertrag, was bei Vertragsende übergeben wird? Wenn nicht, fordere die Übergabe schriftlich mit der Kündigung ein.
- Nutzungsrechte an Assets. Anzeigentexte, Bilder, Videos: Kläre, ob du sie weiterverwenden darfst. Manche Agenturen behalten sich Rechte an erstellten Werbemitteln vor.
- Vorauszahlungen und Budgetguthaben. Hast du Werbebudget an die Agentur vorausgezahlt, kläre, wie ein Restguthaben zum Vertragsende abgerechnet oder erstattet wird.
- Abrechnungsübergang. Läuft das Werbebudget über die Agentur, muss zum Stichtag dein eigenes Zahlungsprofil hinterlegt sein, sonst stoppen die Kampagnen abrupt.
Kündige schriftlich, sachlich und mit klarer Bitte um geordnete Übergabe. Ein zerstrittenes Verhältnis macht jede Übergabe schwerer, und du brauchst die Mitwirkung der Agentur noch ein paar Wochen.
Google Ads Agentur kündigen: Fristen und Reihenfolge
Die Reihenfolge entscheidet, wie teuer eine Kündigung wird. Wer zuerst kündigt und danach nach Zugängen fragt, verhandelt aus der schwächsten Position, die es gibt.
Welche Frist für dich gilt, steht in deinem Vertrag, nicht in einem Blogartikel. Ich nenne hier bewusst keine Zahlen als Regel und gebe keine Rechtsberatung: Laufzeit, Kündigungsfrist, Form und Verlängerungsklausel liest du selbst nach, und im Zweifel schaut ein Anwalt eine Stunde darüber.
Diese Reihenfolge hat sich aus meiner Praxis bewährt:
- Vertrag lesen und Termin notieren. Laufzeit, Kündigungsfrist, geforderte Form und die Frage, ob sich der Vertrag automatisch verlängert.
- Zugänge sichern. Admin-Rechte auf Google Ads, GTM, GA4 und, falls vorhanden, Merchant Center liegen auf Logins deines Unternehmens, nicht auf privaten Adressen.
- Daten exportieren. Konto-Backup, Leistungsberichte und die Dokumentation der Conversion-Aktionen, bevor irgendetwas in Bewegung kommt.
- Nachfolge klären. Neue Betreuung auswählen oder die interne Übernahme vorbereiten, solange die alte Betreuung noch arbeitet.
- Schriftlich kündigen. Sachlich, mit Wunschtermin für die Übergabe und der Bitte, den Eingang zu bestätigen.
- Übergabe terminieren. Neues Verwaltungskonto verknüpfen, Zahlungsprofil umstellen, alte Rechte entziehen, genau in dieser Reihenfolge.
Der häufigste vermeidbare Fehler ist die Kündigung per E-Mail ohne Empfangsbestätigung. Lass dir den Eingang bestätigen und halte fest, welcher Termin als Vertragsende gilt. Alles Weitere wird einfacher, wenn dieser eine Punkt unstrittig ist.
Datenübergabe: Die Schritt-für-Schritt-Checkliste
So läuft die Übergabe in der richtigen Reihenfolge:
- Eigentumsfrage klären: schriftliche Bestätigung, dass das Konto dir gehört (oder Klarheit, dass es das nicht tut).
- Admin-Zugriff sichern: Google Ads, GTM, GA4, ggf. Merchant Center auf Firmen-Logins.
- Daten exportieren: Konto-Backup per Google Ads Editor, Berichte, Conversion-Dokumentation.
- Vertrag prüfen und fristgerecht kündigen: schriftlich, mit Übergabetermin.
- Neue Betreuung auswählen: parallel zur Kündigungsfrist, nicht erst danach.
- Zahlungsprofil umstellen: falls die Abrechnung bisher über die Agentur lief.
- Neue Agentur per Verwaltungskonto verknüpfen: sie beantragt den Zugriff über deine Kundennummer, du bestätigst im Konto.
- Übergabegespräch führen: idealerweise alte Agentur, neue Betreuung und du gemeinsam: offene Tests, Besonderheiten, gelernte Einschränkungen.
- Alte Agentur entfernen: Verknüpfung des alten Verwaltungskontos lösen, persönliche Zugänge deaktivieren, GTM- und GA4-Rechte entziehen.
- Tracking verifizieren: nach der Übergabe prüfen, ob Conversions weiterhin korrekt einlaufen. Genau hier gehen bei Wechseln erfahrungsgemäß die meisten Daten verloren.
Bewahre diese Checkliste ab jetzt dauerhaft auf: Die beste Absicherung für einen künftigen Wechsel ist, Eigentum und Zugänge von Anfang an sauber zu halten.
Konto-Übergabe: So behältst du Google-Ads-Konto, Zugänge und Historie
Die Konto-Übergabe ist mehr als ein neuer Login. Es geht darum, dass Konto, Tracking und Daten nach dem Wechsel vollständig bei dir liegen und nichts abreißt, wenn die alte Agentur ihre Verknüpfungen löst. Die technischen Aussagen in diesem Abschnitt stammen aus der Google-Hilfe, Stand September 2026.
Eigenes Konto oder Konto im Agentur-MCC
Agenturen arbeiten fast immer über ein Verwaltungskonto (MCC), in dem die Konten ihrer Kunden verknüpft sind. Entscheidend ist, wer Inhaber ist. Laut Google-Hilfe zur Kontoinhaberschaft gilt: Legt ein Verwaltungskonto ein neues Google-Ads-Konto an, wird es automatisch dessen Inhaber. Das Kundenkonto bleibt trotzdem Eigentümer seiner Daten und kann die Verknüpfung zum Inhaber-Verwaltungskonto jederzeit lösen. Dafür braucht es aber einen Administrator im Kundenkonto selbst. Die Inhaberschaft direkt an ein anderes Verwaltungskonto übertragen kannst du als Kunde nicht, nach dem Lösen kannst du sie aber einem neuen Verwaltungskonto geben.
Der praktische Kern: Solange keine Adresse deines Unternehmens Administrator im Konto ist, bist du beim Wechsel auf die Mitwirkung der Agentur angewiesen. Welche vertraglichen Absprachen zum Konto gelten, ist eine zweite, davon getrennte Frage (siehe oben unter Kündigung und Fristen).
Adminrechte übertragen
Google Ads kennt laut Google-Hilfe zu den Zugriffsebenen fünf Stufen: Nur E-Mail, Abrechnung, Lesezugriff, Standard und Administrator. Nur Administratoren können anderen Zugriff geben, Verknüpfungen mit Verwaltungskonten annehmen und aufheben und Produktverknüpfungen wie Google Analytics verwalten. Google rät ausdrücklich davon ab, nur einen einzigen Administrator zu haben.
Aus meiner Praxis bewährt sich diese Reihenfolge: Erst lädt die Agentur zwei Adressen deines Unternehmens als Administrator ein, und beide nehmen die Einladung an. Dann verknüpfst du die neue Betreuung. Erst zum Schluss entfernst du die alte Agentur. Umgekehrt riskierst du, dass für einen Moment niemand mit Adminrechten mehr im Konto ist. Weil Google für das Ändern von Zugriffen und Verknüpfungen zunehmend einen Passkey verlangt, sollten deine Administratoren ihn schon vor dem Wechsel einrichten, wie ich im Beitrag Google-Ads-Konto absichern beschreibe.
Tracking-Zugänge: GA4, GTM und Merchant Center
Google Analytics 4. Liegt deine GA4-Property im Analytics-Konto der Agentur, lässt sie sich laut Google-Hilfe in ein eigenes Analytics-Konto verschieben. Google nennt den Wechsel zu einer neuen Agentur dabei ausdrücklich als Anwendungsfall. Die ausführende Person braucht die nötigen Rollen in beiden Analytics-Konten. Die Tag-ID bleibt gleich, die Berichtsdaten werden verschoben, nicht kopiert, und Verknüpfungen wie die zu Google Ads bleiben bestehen.
Google Tag Manager. Rechte vergibt GTM laut Google-Hilfe auf zwei Ebenen: im Konto (Administrator oder Nutzer) und im Container (Lesen, Bearbeiten, Genehmigen, Veröffentlichen). Auch hier empfiehlt Google mindestens zwei Administratoren. Läuft dein Tracking in einem Container im GTM-Konto der Agentur, hast du zwei Wege: Du bekommst Administratorrechte im Konto, oder du exportierst den Container als Datei und importierst ihn in einen eigenen Container, per Überschreiben oder Zusammenführen, beschrieben in der Google-Hilfe zu Export und Import. Beim zweiten Weg hat der neue Container eine eigene ID, das Snippet auf deiner Website muss also ausgetauscht werden.
Merchant Center und Unternehmensprofil. Hier gilt dasselbe Prinzip wie in der Tabelle oben: Admin-Zugriff beziehungsweise Inhaberschaft auf eine Adresse deines Unternehmens, bevor die alte Agentur geht.
Verknüpfungen lösen, ohne dass etwas abreißt
Die Verknüpfung zum alten Verwaltungskonto löst du im Kundenkonto unter Verwaltung → Zugriff und Sicherheit → Verwaltungskonten, laut Google-Hilfe über "Zugriff entfernen". Was danach passiert, beschreibt Google in der Hilfe zum Aufheben von Verknüpfungen:
- Die Kampagnen-Historie bleibt. Dein Konto verliert durch das Lösen keine Daten.
- Abrechnung über die Agentur stoppt die Auslieferung. Lief eine monatliche Rechnung über das Verwaltungskonto der Agentur, laufen die Anzeigen nach dem Lösen nicht weiter, bis eine eigene Abrechnung eingerichtet ist. Deshalb kommt das Zahlungsprofil zuerst.
- Geteilte Remarketing-Listen werden nicht mehr befüllt. Hat die Agentur Zielgruppenlisten aus ihrem Verwaltungskonto geteilt, wachsen sie nach dem Lösen nicht weiter. Leg eigene Listen im Konto rechtzeitig an.
- Kontoübergreifendes Conversion-Tracking endet. Liefen deine Conversion-Aktionen im Verwaltungskonto der Agentur, erfasst dein Konto danach keine neuen Conversions mehr, nur noch solche zu Klicks von vor dem Lösen innerhalb des Conversion-Fensters. Die Conversion-Aktionen gehören also vorher in dein eigenes Konto.
Historie behalten
Solange das Konto besteht, bleiben Kampagnen und Leistungsdaten darin erhalten, egal wer es betreut. Der Änderungsverlauf reicht laut Google-Hilfe zwei Jahre zurück, ältere Einträge siehst du dort ohnehin nicht mehr. Sichere deshalb vor dem Wechsel alles, was du als Beleg oder Lerngeschichte brauchst, als Bericht oder per Google Ads Editor außerhalb des Kontos. Das gilt doppelt, wenn das Konto der Agentur gehört und ein Neuaufbau droht.
Checkliste für den Übergabetermin
Bei der Kontoübergabe geht es um fünf konkrete Punkte. Geh sie einzeln durch und halte sie schriftlich fest, am besten in derselben Mail, in der du den Übergabetermin bestätigst.
- Kontoinhaberschaft. Auf welche Kundennummer läuft das Konto, und wer ist als Inhaber eingetragen? Lass dir bestätigen, dass das Konto mitsamt dieser Nummer bei dir bleibt.
- Zugriff und Nutzerrechte. Unter „Verwaltung, Zugriff und Sicherheit" siehst du, welche E-Mail-Adressen und welche Verwaltungskonten Rechte haben. Mindestens ein Administrator muss eine Adresse deines Unternehmens sein, bevor irgendjemand entfernt wird.
- Zahlungsprofil. Welches Zahlungsmittel hinterlegt ist, entscheidet darüber, ob die Kampagnen weiterlaufen. Lief die Abrechnung über die Agentur, muss dein eigenes Profil aktiv sein, bevor der alte Zugang endet.
- Conversion-Aktionen und Tags. Notiere zu jeder Conversion-Aktion, wo sie ausgelöst wird (Google-Tag auf der Seite, GTM-Container, Import aus GA4), wie gezählt wird und welches Attributionsfenster eingestellt ist. Liegen die Tags in einem fremden GTM-Container, gehört der Umzug in den Übergabeplan.
- Historie und Berichte. Änderungsverlauf, Leistungsberichte und die Listen der Ausschluss-Keywords exportierst du selbst, bevor Rechte wechseln. Was im Konto bleibt, bleibt; was du exportiert hast, gehört dir unabhängig davon.
Zum Schluss prüfst du an einem echten Beispiel, ob eine Conversion sauber im Konto ankommt. Erst dann ist die Übergabe abgeschlossen, nicht mit der letzten Rechnung.
Übergangsphase: So vermeidest du ein Performance-Loch
Jetzt zur Frage, die sich jeder stellt: Bricht die Performance beim Wechsel ein?
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, was sich technisch ändert.
Bestes Szenario: Das Konto bleibt bestehen. Wechselt nur die Betreuung, ändert sich für Googles Systeme zunächst nichts. Die Kampagnen laufen weiter, Smart Bidding behält seine Lernhistorie, es gibt keinen automatischen Neustart. Eine gute neue Betreuung ändert in den ersten Wochen bewusst wenig: erst analysieren, dann schrittweise optimieren. Radikale Umbauten direkt nach der Übernahme (neue Gebotsstrategie, halbiertes Budget, neue Kontostruktur) lösen dagegen neue Lernphasen aus und können die Performance vorübergehend drücken.
Schwierigstes Szenario: Konto-Neuaufbau. Gehört das alte Konto der Agentur, startest du in einem frischen Konto ohne Conversion-Historie. Das heißt ehrlicherweise: Die Gebotsautomatik muss neu lernen, und erfahrungsgemäß musst du mit einigen Wochen schwankender Performance rechnen, bis genug Conversion-Daten gesammelt sind. Wie schnell sich das stabilisiert, hängt stark vom Conversion-Volumen ab: Ein Konto mit hunderten Conversions pro Monat lernt schneller als eines mit zehn. Versprechen, dass ein Neustart „nahtlos" läuft, solltest du niemandem glauben.
Drei Dinge entschärfen die Übergangsphase:
- Überlappung einplanen. Starte das Onboarding der neuen Betreuung, während die alte noch läuft. Ein bis zwei Wochen Parallelwissen sind mehr wert als jede Dokumentation.
- Tracking zuerst. Bevor irgendetwas optimiert wird, muss das Conversion-Tracking verifiziert sein. Optimierung auf kaputten Daten ist schlimmer als keine Optimierung.
- Keine Werbepause. Kampagnen zwischen den Agenturen komplett zu pausieren wirkt sparsam, kostet aber Momentum: Bei Neustart beginnen Lernprozesse teils von vorn.
Die richtigen Fragen an die neue Agentur
Der Wechsel lohnt nur, wenn die neue Betreuung besser ist als die alte. Die komplette Fragenliste findest du im Guide Google Ads Agentur beauftragen: 10 Fragen. Speziell nach einem Wechsel würde ich zusätzlich fragen:
- „Arbeitet ihr in meinem Konto oder in eurem?" (Alles außer „in deinem" ist ein Ausschlusskriterium. Du willst das Problem nicht wiederholen.)
- „Was ändert ihr in den ersten 30 Tagen, und was bewusst nicht?"
- „Wie geht ihr mit der bestehenden Lernhistorie um?"
- „Welchen Zugriff habe ich jederzeit selbst?"
- „Wie sieht euer Reporting konkret aus? Zeigt mir ein anonymisiertes Beispiel."
Denk auch grundsätzlich nach: Muss es wieder eine Agentur sein? Je nach Budget und internen Ressourcen kann auch ein Freelancer oder Eigenbetreuung passen. Die Abwägung findest du im Vergleich Agentur vs. Freelancer und im Artikel Google Ads selbst machen oder Agentur.
Und wenn du unsicher bist, ob ein Wechsel überhaupt nötig ist: Eine neutrale zweite Meinung schafft oft mehr Klarheit als monatelanges Grübeln. Ein unabhängiges Google Ads Audit (ab 500 € Festpreis) zeigt dir schwarz auf weiß, wie gut dein Konto tatsächlich betreut wird. Manchmal ist das Ergebnis auch: „Bleib, wo du bist."




