Google zeigt in jedem Konto eine Prozentzahl, den Optimierungsfaktor, und dazu eine Liste von Empfehlungen, die ihn erhöhen. Viele Werbetreibende lesen die Zahl wie eine Schulnote. Das ist sie nicht. Und wer jede Empfehlung übernimmt, nur um auf 100 % zu kommen, macht sein Konto dadurch nicht automatisch besser.
Vorweg, damit du den Artikel richtig einordnen kannst: Ich bin Google Partner. Für Partner gilt laut Google-Partners-FAQ ein Mindestwert: Das im Programm registrierte Verwaltungskonto braucht einen Optimierungsfaktor von mindestens 70 %, Google prüft die Anforderungen täglich. Dieselbe FAQ sagt aber auch, dass Partner Empfehlungen nach eigener Einschätzung und den Zielen ihrer Kunden übernehmen oder ablehnen können, dass beides den Faktor erhöht und dass Google keine 100 % verlangt. Genau so arbeite ich: Ich prüfe jede Empfehlung, übernehme die sinnvollen, lehne die unpassenden begründet ab, und beides zählt für den Score.
Die Fakten zum Faktor selbst stammen aus der Google Ads-Hilfe zum Optimierungsfaktor. Welche Empfehlungen ich übernehme und welche nicht, ist meine Praxis. Das sage ich jeweils dazu.
Was der Optimierungsfaktor misst und was nicht
Laut Google ist der Optimierungsfaktor ein Schätzwert dafür, wie gut ein Google-Ads-Konto eingestellt ist, um Leistung zu bringen. Er reicht von 0 bis 100 %. 100 % bedeutet laut Google, dass das Konto sein volles Potenzial ausschöpfen kann.
Berechnet wird er in Echtzeit, und zwar aus:
- Statistiken, Einstellungen und Status deines Kontos und deiner Kampagnen,
- der voraussichtlichen Wirkung der verfügbaren Empfehlungen,
- dem Verlauf deiner jüngsten Empfehlungen.
Den Faktor gibt es auf Kampagnen-, Konto- und Verwaltungskontoebene, laut Google nur für aktive Kampagnen bestimmter Typen, darunter Suche, Performance Max, Shopping, Display und Demand Gen. Jede Empfehlung zeigt, um wie viel sie den Faktor erhöht. Google nennt dafür Werte von unter 0,1 % bis 100 %.
Wichtig ist, was der Faktor nicht ist. Google schreibt ausdrücklich, dass der Optimierungsfaktor nicht in den Qualitätsfaktor einfließt. Und er misst keine Ergebnisse: Umsatz, Gewinn, Kosten pro Anfrage oder Anfragequalität tauchen in der Definition nicht auf. Aus meiner Praxis kenne ich Konten mit hohem Faktor und schwachen Zahlen und umgekehrt. Der Faktor zeigt, wie viele offene Vorschläge Google für ein Konto sieht und wie viel Gewicht Google ihnen gibt. Ob das Konto Geld verdient, zeigt er nicht.
Übernehmen oder ablehnen: beides bewegt den Faktor
Der wichtigste Satz der Hilfe geht leicht unter: Laut Google verändert sowohl das Übernehmen als auch das Ablehnen von Empfehlungen den Optimierungsfaktor. Ein Konto kann 100 % erreichen, indem alle Empfehlungen übernommen oder abgelehnt werden. Die Partners-FAQ formuliert es noch direkter: Der Faktor steigt durch Übernehmen und durch Ablehnen.
Das ändert die Logik. Ein hoher Faktor heißt nicht, dass jemand alles umgesetzt hat, was Google vorschlägt. Er kann genauso heißen, dass jemand jede Empfehlung angesehen und eine Entscheidung getroffen hat.
So lehnst du laut Hilfe eine Empfehlung ab:
- Einzeln: Mit der Maus über die Empfehlung fahren und rechts oben auf das X klicken.
- Alle auf einer Karte: Über das Dreipunkt-Menü der Empfehlungskarte „Alle ablehnen“ wählen.
Abgelehnt heißt nicht für immer. „Wenn eine abgelehnte Empfehlung nach einer bestimmten Zeit wieder relevant ist, wird sie eventuell noch einmal angezeigt“, schreibt Google. Dieselbe Empfehlung kann also wiederkommen, und dann entscheidest du neu.
Aus meiner Praxis: Ich halte fest, welche Empfehlung ich warum abgelehnt habe, in einem eigenen Protokoll außerhalb des Kontos. Kommt sie wieder, sehe ich sofort, ob sich an den Gründen etwas geändert hat. Das spart Zeit und macht die Entscheidung für Kunden nachvollziehbar.
Automatisch angewendete Empfehlungen: prüfen und abschalten
Neben dem Übernehmen von Hand gibt es das automatische Anwenden. Laut Google-Hilfe zu automatisch angewendeten Empfehlungen gilt:
- Es ist eine Einstellung, die du selbst einschaltest. Danach wendet Google die gewählten Empfehlungstypen regelmäßig an.
- Du kannst es jederzeit ein- oder ausschalten, über die obere Leiste im Bereich Empfehlungen. Dort wählst du auch die Typen.
- Welche Empfehlungen am jeweiligen Tag angewendet werden, zeigt eine Warteschlange auf der Seite Empfehlungen.
- Was bereits angewendet wurde, siehst du im Tab „Verlauf“ als Zusammenfassung und im Änderungsverlauf im Einzelnen.
- Das automatische Anwenden erhöht laut Google dein Budget nicht.
Zu den Typen, die sich automatisch anwenden lassen, gehören laut Hilfe unter anderem „Weitgehend passende Keywords hinzufügen“, „Keywords hinzufügen“, das Anpassen von CPA- und ROAS-Zielen sowie das Festlegen von Ziel-CPA oder Ziel-ROAS.
Genau diese Typen verändern Reichweite und Zielwerte, also die Stellschrauben, die ich am wenigsten aus der Hand gebe. In den Konten, die ich betreue, ist das automatische Anwenden für solche Typen deshalb aus. Wenn du ein Konto übernimmst oder selbst prüfst, lohnt sich ein Blick in den Tab „Verlauf“: Dort siehst du, ob in den letzten Wochen Änderungen automatisch passiert sind, von denen niemand wusste.
Meine Prüfung in drei Fragen
Bevor ich eine Empfehlung übernehme oder ablehne, stelle ich drei Fragen. Das ist meine Arbeitsweise, keine Vorgabe von Google.
- Stimmt die Datenbasis? Empfehlungen entstehen laut Google-Hilfe zu Empfehlungen aus Leistungsverlauf, Einstellungen und übergreifenden Trends, die Google beobachtet. Wenn das Conversion-Tracking falsch zählt, rechnet auch die Empfehlung mit falschen Zahlen.
- Passt sie zur Kalkulation und zum Ziel? Google kennt deine Marge, deine Kapazität und deinen Vertrieb nicht. Eine Empfehlung kann für das Konto plausibel sein und für den Betrieb trotzdem falsch.
- Kann ich die Wirkung messen und zurückdrehen? Einen fehlenden Sitelink zu ergänzen ist klein und messbar. Eine neue Gebotsstrategie auf mehreren Kampagnen gleichzeitig ist es nicht.
Diese Empfehlungen sind oft sinnvoll
Google listet in der Hilfe zu Empfehlungstypen Dutzende Varianten. Aus meiner Praxis übernehme ich die folgenden in der Regel, nachdem ich sie geprüft habe, weil sie Messung oder Auslieferung reparieren:
- Tracking reparieren: Empfehlungen, das Conversion-Tracking einzurichten oder zu beheben, nehme ich immer ernst. Ohne saubere Messung arbeitet jede automatische Gebotsstrategie mit falschen Signalen. Die Umsetzung mache ich selbst und nicht per Klick, weil ich wissen will, was genau gezählt wird.
- Erweiterte Conversions: Die Empfehlung, erweiterte Conversions einzurichten, ist oft sinnvoll, weil sie die Messung verbessern kann. Voraussetzung ist, dass Einwilligung und Datenschutz sauber geklärt sind.
- Fehlende Assets: Wenn Google fehlende Sitelinks, Zusatzinformationen oder Bilder anmahnt, ergänze ich sie, allerdings mit eigenen Texten. Erfahrungsgemäß sind vollständige Assets fast immer ein Gewinn, die Formulierung überlasse ich trotzdem nicht der Automatik.
- Abgelehnte Anzeigen und Assets: Hinweise auf abgelehnte Anzeigen, abgelehnte Assets oder nicht funktionierende Zielseiten sind keine Optimierungsidee, sondern ein Fehler. Den behebe ich sofort.
Diese lehne ich oft ab, und warum
Kritischer bin ich bei Empfehlungen, die Reichweite, Budget oder Zielwerte verändern. Ablehnen heißt dabei nicht, dass die Empfehlung grundsätzlich falsch ist, sondern dass sie für dieses Konto gerade nicht passt.
- Broad Match ohne saubere Daten: Die Empfehlung, weitgehend passende Keywords hinzuzufügen oder AI Max einzuschalten, lehne ich ab, solange die Conversion-Daten nicht stimmen oder zu dünn sind. Weitgehend passende Keywords brauchen gute Signale, sonst bringen sie erfahrungsgemäß vor allem Streuverluste. Was AI Max konkret verändert und wie Google Kampagnen im September umgestellt hat, steht im Beitrag zur AI-Max-Umstellung.
- Ziel-CPA oder Ziel-ROAS lockern: Google empfiehlt oft, den Ziel-CPA anzuheben oder den Ziel-ROAS zu senken, um mehr Volumen zu bekommen. Wenn der Zielwert aus der Kalkulation abgeleitet ist, lehne ich das in der Regel ab. Mehr Conversions zu einem Preis, der sich nicht rechnet, sind kein Gewinn.
- Automatisch erstellte Texte: Empfehlungen, die Textanpassung einzuschalten, also Anzeigentexte automatisch erzeugen zu lassen, lehne ich dort ab, wo Aussagen exakt stimmen müssen: bei Preisen, Fristen, Qualifikationen oder rechtlich heiklen Formulierungen.
- Keywords pauschal hinzufügen: Keyword-Vorschläge prüfe ich einzeln. Viele passen, manche treffen eine Leistung, die der Betrieb gar nicht anbietet. Als Paket übernehme ich sie nicht.
- Budget erhöhen: Die Empfehlung, das Budget zu erhöhen, prüfe ich gegen Marge und Kapazität. Wenn die Kampagne profitabel läuft und der Betrieb mehr Anfragen bedienen kann, ist sie oft richtig. Wenn nicht, lehne ich sie ab. Sie ist weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht.
Überblick: meine Tendenz je Empfehlungstyp
Zusammengefasst sieht meine Tendenz so aus. Sie stammt aus meiner Praxis und ist keine Regel von Google. Im Einzelfall entscheide ich nach den drei Fragen oben.
| Empfehlung | Meine Tendenz | Grund |
|---|---|---|
| Tracking reparieren | übernehmen | ohne saubere Messung ist jede Optimierung geraten |
| Erweiterte Conversions | übernehmen, wenn Einwilligung geklärt | bessere Messung |
| Fehlende Assets | übernehmen | mit eigenen Texten |
| Abgelehnte Anzeigen | beheben | Fehler, keine Option |
| Budget erhöhen | prüfen | nur, wenn Marge und Kapazität es tragen |
| Keywords hinzufügen | prüfen | einzeln, nicht als Paket |
| Ziel-CPA lockern | meist ablehnen | Zielwert kommt aus der Kalkulation |
| Automatisch erstellte Texte | meist ablehnen | wo Aussagen exakt stimmen müssen |
| Broad Match ohne Daten | ablehnen | erst Tracking und Datenbasis |
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Was das für dich als Kontoinhaber heißt
Wenn eine Agentur oder ein Freelancer dein Konto betreut, ist der Umgang mit Empfehlungen eine gute Prüffrage. Frag nicht nur nach dem Optimierungsfaktor, sondern danach, wie er zustande kommt: Welche Empfehlungen wurden übernommen, welche abgelehnt, und warum? Ist das automatische Anwenden an, und wenn ja, für welche Typen? Weitere Fragen, die ich vor einem Vertrag stellen würde, stehen in den 10 Fragen vor der Beauftragung einer Google-Ads-Agentur. Woran du eine Betreuung erkennst, die ihr Geld wert ist, habe ich in den 15 Qualitätsmerkmalen guter Google-Ads-Betreuung zusammengefasst.
Wenn du dein Konto selbst verwaltest, würde ich so vorgehen: die Empfehlungen einmal pro Woche durchgehen, jede einzelne entscheiden und das automatische Anwenden für Typen abschalten, die Reichweite, Budget oder Zielwerte verändern. Ein hoher Faktor ist dann ein Nebenprodukt sauberer Arbeit und kein Ziel an sich. Ob das Konto tatsächlich sauber aufgestellt ist, beantwortet statt des Faktors eine eigene Prüfliste, zum Beispiel meine Google-Ads-Audit-Checkliste mit 100 Punkten.
Wenn du ein zweites Paar Augen auf dein Konto willst, gibt es das Google Ads Audit (ab 500 €). In der laufenden Google-Ads-Betreuung (ab 1.000 € pro Monat) arbeite ich Empfehlungen so ab, wie hier beschrieben.
Quellen
- Google Ads-Hilfe, Optimierungsfaktor: support.google.com/google-ads/answer/9061546
- Google Ads-Hilfe, FAQ zum Google-Partners-Programm: support.google.com/google-ads/answer/9762278
- Google Ads-Hilfe, Google Partner werden: support.google.com/google-ads/answer/9702452
- Google Ads-Hilfe, Empfehlungen automatisch anwenden: support.google.com/google-ads/answer/10279006
- Google Ads-Hilfe, Empfehlungen: support.google.com/google-ads/answer/3448398
- Google Ads-Hilfe, Empfehlungstypen: support.google.com/google-ads/answer/3416396
Stand: 29. September 2026




