Jede Jahreszeit bringt anderes Suchverhalten, andere Kaufbereitschaft, andere Wettbewerbs-Situationen, und wer seine Google Ads nicht entsprechend anpasst, verschenkt entweder Budget oder verpasst profitable Peaks.
Dieser Guide fokussiert auf die Sommer-Saison (Mai–September), gibt aber das Framework für ganzjährige saisonale Optimierung.
Warum saisonale Anpassungen so wichtig sind
Aus meiner Praxis: Das Suchvolumen kann je nach Jahreszeit stark schwanken, in manchen Nischen bewegt es sich zwischen ruhigen Phasen und Peaks um ein Vielfaches. Wer ein fixes Budget und fixe Kampagneneinstellungen das ganze Jahr durchläuft, zahlt zu Peaks zu viel pro Klick und in schwachen Zeiten zu viel für zu wenig Traffic.
Was sich im Sommer verändert
Branchen die im Sommer boomen:
- Tourismus, Reisen, Ferienwohnungen
- Außengastronomie, Eisdielen, Events
- Gartengeräte, Pool-Zubehör, Klimaanlagen
- Sonnenschutz, Outdoor-Bekleidung
- Catering für Sommerfeste
- Hochzeiten und Events
Branchen die im Sommer schwächer werden:
- B2B-Software (Entscheider im Urlaub)
- Heizung/Sanitär (Notfall-Keywords bleiben, Installation sinkt)
- Schulen, Weiterbildung (außer Sommerkurse)
- Bürobedarf, Geschäftsausstattung
Saisonale Anpassungen in Google Ads einrichten
Methode 1: Budget und Kampagnen nach Zeitraum steuern
Gebotsanpassungen für feste Kalenderzeiträume gibt es in Google Ads nicht: Der Anzeigenplan kennt nur Wochentage und Uhrzeiten. Für eine Saison arbeitest du deshalb mit Budget, Kampagnenstruktur und Regeln:
Option A: Eigene Saisonkampagne mit Start- und Enddatum
- z. B. 1. Juli bis 31. August für Tourismus-Keywords
- eigenes Budget, eigene Anzeigentexte
Option B: Budget per automatisierter Regel ändern
- Tools → Regeln → Budget-Regel mit Häufigkeit "Einmal"
- z. B. am 1. Juli Budget +30%, am 1. September zurück
- bei manuellem CPC lassen sich so auch Gebote zu einem Datum ändern
Option C: Pausieren statt abwerten
- B2B-Kampagnen vom 24. bis 26. Dezember per Regel
pausieren und danach wieder aktivieren
Wie du eine längere Saisonpause mit zwei einmaligen Regeln planst und warum du das Konto dafür nicht kündigen musst, steht im Beitrag Google Ads Konto pausieren, kündigen oder löschen.
Mit Smart Bidding brauchst du für eine ganze Saison meist keine Gebotseingriffe: Der Algorithmus lernt wiederkehrende Muster aus deinen Daten. Für kurze Ausnahmen gibt es Methode 2.
Methode 2: Saisonale Anpassungen (Seasonal Adjustments)
Diese Funktion teilt Smart Bidding mit, dass ein ungewöhnliches Ereignis bevorsteht:
Wann einsetzen:
- Kurze, planbare Peaks mit deutlich anderer Conversion Rate (z. B. ein Black-Friday-Wochenende)
- Große Promotions oder Rabattaktionen (z. B. ein Flash-Sale)
- Events oder Messen
Wie einrichten:
- Tools → Budgets und Gebote → Anpassungen → Saisonal (verfügbar für Such-, Shopping- und Displaykampagnen mit Ziel-CPA oder Ziel-ROAS sowie für Performance Max und App-Kampagnen (Beta) mit allen Gebotsstrategien, mehr zu den Gebotsstrategien)
- Zeitraum und erwartete Conversion-Rate-Änderung angeben
- Z. B.: „Sommer-Aktionswochenende: 3 Tage, +20% Conversion Rate erwartet" (Beispielwert, leite deinen eigenen aus früheren Aktionen ab)
Wichtig: Laut Google-Hilfe funktionieren saisonale Anpassungen am besten für kurze Zeiträume von etwa 1 bis 7 Tagen, über mehr als 14 Tage werden sie ungenauer. Eine ganze Sommersaison ist deshalb kein Fall dafür: Wiederkehrende Saisons berücksichtigt Smart Bidding bereits über deine historischen Daten. Diese Daten sind aber nur so gut wie dein Conversion-Tracking. Bei dauerhaften Trends lieber Target CPA anpassen.
Wie ich saisonale Anpassungen, Budgets und Angebote konkret für den Black Friday plane, zeige ich im Google-Ads-Fahrplan für Black Friday 2026.
Methode 3: Ad Scheduling (Anzeigenplanung)
Analysiere, wann deine Zielgruppe sich im Sommer anders verhält:
- Sind deine Kunden am Wochenende aktiver? (Gastronomie, Events, Freizeit)
- Verschieben sich die aktiven Stunden? (Outdoor-Aktivitäten früher morgens)
- Kaufen mobile Nutzer im Urlaub mehr? (Travel, Experiences)
Sommer-Strategie nach Branche
E-Commerce: Sommersaison vorbereiten
April–Mai: Vorbereitungsphase
- Sommerkollektionen mit neuen Kampagnen aufbauen
- Seasonal Keywords recherchieren (z.B. „Gartenliege", „Grillzubehör", „Sonnencreme")
- Shopping-Kampagnen mit Sommer-Produktfeed aktualisieren
Juni–August: Peak-Phase
- Budget erhöhen (aus meiner Praxis je nach Branche etwa +20% bis +80%)
- Saisonale Anzeigentexte mit Sommer-Bezug
- Countdown-Timer für limitierte Sommeraktionen
September: Übergangsphase
- Budget graduell reduzieren
- Herbst-Keywords beginnen
- Restbestände der Sommer-Kollektion pushen
Gastronomie: Außensaison nutzen
Zusätzliche Kampagnen für Sommer:
- "Biergarten [Stadt]"
- "Terrasse Restaurant"
- "Open Air Event Restaurant"
- "Grillabend Restaurant"
- "Sommerfest Catering"
Tipp: Schalte eine spezifische Sommerterrassen-Kampagne, sobald deine Terrasse eröffnet. Die Nachfrage ist hoch, der Wettbewerb oft gering.
B2B / Unternehmensberatung: Gegen den Trend arbeiten
Aus meiner Praxis fahren im Sommer viele B2B-Werbetreibende Budgets zurück. Das kann weniger Wettbewerb und günstigere Klicks für diejenigen bedeuten, die aktiv bleiben. Welche Wettbewerber im letzten Sommer trotzdem geworben haben, zeigt dir das Ads Transparency Center mit einem benutzerdefinierten Zeitraum.
Strategie: Budget während der Ferienzeit nicht drastisch senken, sondern auf:
- Entscheider im Homeoffice (flexiblere Arbeitszeiten)
- Budgetplanung für Q3/Q4 (Entscheider nutzen ruhigere Zeiten für Planung)
- Branchen die keine Sommer-Delle haben
Touristik & Reisen: Frühzeitig starten
Wann suchen Menschen nach Sommerurlaub?
Typische Muster aus meiner Praxis (prüf sie für deine Keywords in Google Trends nach):
- Familienurlaub: Buchungspeak Januar–März (6 Monate im Voraus)
- Kurztrips/Städtereisen: 4–8 Wochen im Voraus
- Last-Minute: 1–2 Wochen vor Abreise
Kampagnen-Timing für Touristik:
- Herbst: Frühbucher-Kampagnen für nächsten Sommer starten
- Januar–März: Hauptbuchungsphase, höchstes Budget
- April–Mai: Nachzügler und Spontanbuchungen
- Juni–Juli: Last-Minute-Kampagnen mit Dringlichkeit
Saisonale Anzeigentexte: Beispiele
Gastronomie im Sommer
Headline 1: „Sonnige Terrasse in [Stadt]" Headline 2: „Jetzt Tisch draußen buchen" Headline 3: „Biergarten täglich ab 11 Uhr"
E-Commerce Sommer-Sale
Headline 1: „Sommer-Sale: Bis zu 40% Rabatt" Headline 2: „Kostenloser Versand ab 49 €" Headline 3: „Nur noch 3 Tage. Jetzt sichern"
Tourismus / Ferienhaus
Headline 1: „Letzte freie Wochen im August" Headline 2: „Ferienhaus direkt am Meer" Headline 3: „Sofort buchen. Kein Risiko"
Budget-Planung: Der saisonale Jahresverteiler
Eine grobe Orientierung für typische E-Commerce-Unternehmen. Wie du dein Budget sinnvoll verteilst, erkläre ich ausführlich in einem eigenen Guide:
| Monat | Budget-Index | Begründung |
|---|---|---|
| Januar | 70% | Post-Weihnachten, Sale-Phase |
| Februar | 80% | Valentinstag, Beginn Frühling |
| März | 85% | Vorfrühling, steigende Aktivität |
| April | 90% | Ostern, Frühlingssaison |
| Mai | 100% | Muttertag, Vollsaison |
| Juni | 95% | Sommer beginnt |
| Juli | 100% | Hochsommer-Peak |
| August | 100% | Hochsommer, letzte Urlaubswoche |
| September | 85% | Rückkehr, Herbst beginnt |
| Oktober | 90% | Herbstsaison |
| November | 120% | Black Friday, Early Christmas |
| Dezember | 150% | Weihnachts-Peak |
Tabelle seitlich scrollbar
Basis 100% = dein reguläres Monatsbudget
Die konkreten Termine für 2027, von Ostern am 28. März bis Black Friday am 26. November, stehen im Saisonkalender meiner Google-Ads-Jahresplanung 2027.
Google Trends als Planungstool nutzen
Kostenloses und mächtiges Tool: Google Trends (trends.google.com)
So nutzt du es für saisonale Planung:
-
Historischen Trend analysieren: Keyword eingeben, Zeitraum „Letzten 5 Jahre"
- Sieh wann der Traffic in deiner Nische Peaks hat
- Vergleiche mehrere Keywords gleichzeitig
-
Vergleich Regionen: Wo suchen Menschen deine Keywords am meisten?
- Geo-Targeting verfeinern
-
Related Queries: Welche verwandten Suchanfragen steigen gerade?
- Neue Keywords entdecken bevor Wettbewerb sie findet
Checkliste: Saisonale Kampagnen-Optimierung
2 Monate vor der Saison:
- Google Trends für alle Haupt-Keywords analysiert
- Budget-Plan für die Saison erstellt
- Neue saisonale Keywords identifiziert
- Landingpages mit saisonalem Content vorbereitet
1 Monat vor der Saison:
- Neue saisonale Kampagnen / Anzeigengruppen angelegt
- Saisonale Anzeigentexte erstellt und aktiviert
- Budget-Regeln geplant, für kurze Peaks saisonale Anpassungen (Seasonal Adjustments) eingerichtet
- Budget erhöht / neu verteilt
Während der Saison:
- Tägliches Monitoring der KPIs
- Schnelle Reaktion auf Budget-Überschreitungen oder -Unterschreitungen
- A/B-Tests für saisonale Anzeigen aktiv
Nach der Saison:
- Performance-Auswertung dokumentieren
- Was hat funktioniert? Was nicht?
- Erkenntnisse für nächste Saison notieren
Fazit
Saisonale Optimierung ist kein „Nice-to-have". Aus meiner Praxis ist es einer der größten Hebel für ROAS-Verbesserungen in Google Ads. Wer antizipiert statt reagiert, hat bessere Chancen, die lukrativsten Auktionen zu günstigeren Preisen zu gewinnen.
Der Schlüssel: Früh planen, historische Daten nutzen, Budget und Targeting flexibel anpassen.
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