Psychotherapie bei Google Ads: was du bewerben darfst und wer wirklich sucht
Ehrliches Fachwissen zu Google Ads in deiner Branche: ohne Werbeversprechen, dafür mit dem, was in der Praxis typischerweise funktioniert.
Bevor ich die erste Anzeige schreibe, kläre ich, unter welcher Bezeichnung du überhaupt werben darfst. „Psychotherapeutin“ oder „Psychotherapeut“ darf sich nach § 1 Psychotherapeutengesetz nur nennen, wer als Psychotherapeut approbiert ist oder als Ärztin oder Arzt arbeitet. Heilpraktiker für Psychotherapie arbeiten mit einer anderen Erlaubnis und schreiben deshalb „Heilpraktikerin für Psychotherapie“ oder „Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz“, nie den geschützten Titel. Wer weder Approbation noch Heilpraktikererlaubnis hat, darf grundsätzlich keine Heilkunde ausüben und sollte im Coaching auf Diagnosebegriffe wie Depression oder Angststörung verzichten, in Anzeigen genauso wie in Keywords. Im Konto heißt das: Titel, Anzeigentexte und Keyword-Liste richten sich nach deiner Erlaubnis, nicht nach dem Wort mit dem größten Suchvolumen.
1Die Suchsprache verrät, wer am Ende zahlt. Wer „Kostenerstattung Psychotherapie“ eingibt, ist meist gesetzlich versichert, hat keinen Kassenplatz gefunden und braucht eine approbierte Privatpraxis. Heilpraktiker sind nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts von diesem Weg ausgeschlossen, für sie ist der Begriff ein bezahlter Fehlklick. Paartherapie ist dagegen grundsätzlich keine Kassenleistung, hier sucht in aller Regel, wer ohnehin selbst zahlt. „Psychiater“ ist eine eigene Welt: Gemeint ist ärztliche Behandlung, oft mit Medikamenten, und die kann eine Praxis ohne Arzt nicht anbieten. Suchanfragen mit akuten Krisenbegriffen schließe ich aus, denn dort hilft kein Erstgespräch in der nächsten Woche, sondern ein Krisendienst. Die Keyword-Liste entsteht deshalb aus deiner Abrechnungsform, und jede Anzeigengruppe bekommt ihre eigenen Ausschlüsse.
2Zwei Werbegrenzen werden in dieser Branche regelmäßig übersehen. Die erste betrifft Sucht: Das Heilmittelwerbegesetz untersagt in § 12 grundsätzlich Publikumswerbung für Behandlungen, die sich auf Suchtkrankheiten beziehen, Nikotinabhängigkeit ausgenommen. Google führt die Behandlung von Alkohol- und Drogenabhängigkeit zusätzlich als eigene Kategorie, die nur mit Zertifizierung und nur in wenigen Ländern beworben werden darf; Deutschland steht nach dem aktuellen Stand der Richtlinie nicht auf dieser Liste. Die zweite betrifft den Ton: Die Muster-Berufsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer erlaubt sachliche Information und nennt anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung ausdrücklich unzulässig, also auch Zeilen wie „die erfahrenste Praxis der Stadt“. Was deine Landeskammer konkret vorgibt, prüfst du vor dem Start. Fürs Konto bedeutet das: Suchtthemen bleiben aus Keywords und Anzeigen draußen, und Superlative fliegen aus jedem Entwurf.
3Googles Richtlinie zu Gesundheit in personalisierter Werbung nennt Beratung bei Depression, Angst und Sucht ausdrücklich als sensibles Thema. Für deine Kampagnen heißt das konkret: keine Remarketing-Listen aus Websitebesuchern, kein Kundenabgleich und keine Zielgruppenerweiterung. Eine Klientenliste hochzuladen verbietet sich ohnehin, schon wegen Schweigepflicht und Datenschutz. Übrig bleibt das, was in dieser Branche trägt: die Suchanfrage selbst, kombiniert mit Standort und Werbezeiten. Bei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie kommt hinzu, dass Nutzer unter 18 grundsätzlich keine personalisierte Gesundheitswerbung sehen, und die Suche übernehmen häufig ohnehin die Eltern; an sie richten sich Anzeige und Zielseite. Die Kontostruktur ist deshalb bewusst schlicht: Suchkampagnen nach Schwerpunkt, enge Keyword-Listen und keine Anzeigen, die Menschen nach dem Besuch deiner Website über andere Seiten folgen.
4Psychotherapie findet in der Regel wöchentlich statt, und das begrenzt das Einzugsgebiet stärker als bei vielen anderen Gesundheitsleistungen. Wer sich auf eine längere Behandlung einstellt, wählt eine Praxis, die in den Alltag passt, also nahe an Wohnung oder Arbeitsplatz und mit Terminen, die neben dem Job funktionieren. Online-Sitzungen lösen diese Grenze auf, verändern aber den Wettbewerb: Dort bietest du gegen bundesweite Plattformen und Apps, die mit bekannten Marken und großen Budgets werben, und dein lokaler Vorteil fällt weg. Online-Begriffe einfach in die Praxiskampagne zu mischen, ist deshalb ein typischer Fehler. Ich führe Praxis und Online in getrennten Kampagnen mit eigenen Radien und eigenen Zielseiten, und die Online-Kampagne startet erst, wenn die lokale verlässlich Erstgespräche misst.