Seit KI-Antworten über den Suchergebnissen stehen, kommt in fast jedem Erstgespräch dieselbe Frage: Lohnen sich Google Ads noch, wenn Google die Antwort gleich selbst liefert? Meine kurze Antwort aus der Praxis: ja, aber die Arbeit verschiebt sich. Und seit Google Anzeigen auch im AI Mode testet, kommt eine zweite Frage dazu: Wie komme ich da rein?
Dieser Beitrag bündelt meinen Stand dazu, aktualisiert im Oktober 2026. Wo ich mich auf Google beziehe, verlinke ich die Quelle direkt. Wo ich aus der eigenen Arbeit einschätze, schreibe ich das dazu. Prozentzahlen zu Klickverlusten nenne ich bewusst nicht, weil ich keine belastbaren, branchenübergreifenden Werte habe.
AI Overviews und AI Mode in zwei Sätzen
AI Overviews sind die zusammengefassten KI-Antworten oben auf der normalen Ergebnisseite, mit Quellenverweisen daneben oder darunter. Der AI Mode ist ein eigener, dialogischer Suchmodus: Nutzer stellen Folgefragen, vergleichen und grenzen ein, statt eine neue Suche zu starten.
Der praktische Effekt in den Konten, die ich betreue: Der Weg zur Antwort wird kürzer, der Weg zur Website länger. Wer eine reine Wissensfrage stellt, klickt seltener weiter. Wer dagegen kaufen, beauftragen oder anrufen will, landet weiterhin schnell in einem Umfeld mit Anzeigen. Wie stark dich das trifft, hängt erfahrungsgemäß weniger an der Branche als am Anfragetyp. Beratungslastige Themen spüren mehr davon, klare Bedarfsfälle wie ein defekter Heizkessel deutlich weniger.
Wo Google heute Anzeigen ausspielt (Stand Oktober 2026)
Über, unter und in AI Overviews
Die Google-Ads-Hilfe zu Anzeigen und AI Overviews ist hier eindeutig:
- Über und unter AI Overviews können Anzeigen in allen mehr als 200 Märkten erscheinen, in denen es AI Overviews gibt. Das betrifft also auch deutschsprachige Suchen.
- Innerhalb der AI Overviews zeigt Google Anzeigen bisher nur auf Englisch, und zwar in zwölf Ländern: Australien, Indien, Indonesien, Kanada, Kenia, Malaysia, Neuseeland, Nigeria, Pakistan, Philippinen, Singapur und USA. Deutschland und Polen sind nicht dabei.
- Sensible Branchen schließt Google für Anzeigen in AI Overviews aus, genannt werden unter anderem Erotik, Alkohol, Glücksspiel, Finanzen, Gesundheit und Politik.
Wenn dir also jemand erzählt, deine Anzeige stehe in Deutschland mitten in der KI-Antwort, lass dir das zeigen. Nach Googles eigener Hilfeseite ist das hierzulande derzeit nicht vorgesehen.
Im AI Mode
Anzeigen im AI Mode testet Google seit dem 21. Mai 2025. Teilnehmen können laut Google Performance Max, Shopping und Suchkampagnen mit Broad Match, einschließlich AI Max.
Auf der Google Marketing Live am 20. Mai 2026 hat Google neue Formate für den AI Mode vorgestellt. Bei Conversational Discovery Ads beantwortet die Anzeige eine konkrete Frage des Nutzers. Highlighted Answers platzieren eine Anzeige in einer Empfehlungsliste, die der AI Mode erstellt. Beides läuft als Test. Direct Offers, also Angebote innerhalb einer AI-Mode-Antwort, sind seit Januar 2026 in einem Pilot. Länder oder Starttermine für den deutschsprachigen Raum nennt Google in dem Beitrag nicht.
Mein Stand daraus: Den AI Mode als Anzeigenfläche solltest du im Blick haben, für die Planung deines Budgets in Deutschland ist er noch kein fester Posten.
Kein eigenes Placement, kein eigener Bericht
Zwei Punkte sind für die tägliche Arbeit wichtiger als jedes neue Format.
Erstens gibt es kein buchbares Placement für KI-Flächen. Du legst keine KI-Kampagne an. Google bespielt die Flächen aus dem, was ohnehin läuft. Der Hebel liegt also nicht im Buchen, sondern im Zuliefern: Wie gut versteht das System, was du anbietest, für wen, zu welchem Preis und an welchem Ort?
Zweitens bietet Google Ads laut der oben verlinkten Hilfeseite derzeit keine segmentierten Berichte für Anzeigen innerhalb der AI Overviews. Du steuerst also weiter über Conversions, Umsatz und Suchbegriffe, nicht über eine neue Kennzahl. Wer dir einen KI-Sichtbarkeitsreport für Google Ads verkauft, sollte zeigen können, aus welchem Feld im Konto die Zahl stammt.
Welche Kampagnen und Keyword-Optionen Zugang haben
Für Anzeigen innerhalb der AI Overviews empfiehlt Google Broad Match oder AI Max in Suchkampagnen, außerdem Performance Max, Shopping und dynamische Suchanzeigen. Für den AI Mode nennt Google Performance Max, Shopping und Suchkampagnen mit Broad Match oder AI Max. Konten mit ausschließlich Exact und Phrase Match bleiben bei den Flächen innerhalb der KI-Antworten damit weitgehend außen vor. Für die Plätze über und unter AI Overviews nennt Google keine solche Einschränkung. Was die einzelnen Keyword-Optionen genau bedeuten, steht im Glossar unter Keyword-Optionen.
Der Test mit Exact und Phrase Match
Am 4. September 2026 hat Google Ads Liaison Ginny Marvin gegenüber Search Engine Roundtable bestätigt, dass Google im AI Mode Anzeigen auch über Exact und Phrase Match ausliefert. Sie nennt das ein „small experiment that recently kicked off“, also ein kleines, gerade gestartetes Experiment. Textanzeigen erscheinen dabei laut Marvin nur bei „explicit and direct user intent“, also bei ausdrücklicher, direkter Suchabsicht. Highlighted Answers sind laut Google für AI Max und Performance Max gedacht. Märkte hat Google für den Test nicht genannt, auch PPC Land berichtet keine.
Meine Einordnung: Das ist ein Signal, dass Google den AI Mode nicht nur für vollautomatische Kampagnen öffnen will. Mehr ist es noch nicht. Ich würde kein Konto wegen eines Tests umbauen, dessen Märkte und Dauer niemand kennt. Wie sich Broad und Exact in der Praxis unterscheiden, zeigt der Vergleich Broad Match vs. Exact Match.
AI Max ist in vielen Konten schon aktiv
Unabhängig vom AI Mode stellt Google seit September 2026 Suchkampagnen mit automatisch erstellten Assets oder der Broad-Match-Einstellung auf Kampagnenebene auf AI Max um, dynamische Suchanzeigen folgen laut Google-Blog ab Februar 2027. Viele Konten haben damit schon eine Kampagne, die für KI-Flächen zugelassen ist, ohne dass jemand das bewusst entschieden hat. Was die Umstellung im Detail verändert und wie du sie prüfst, habe ich im Beitrag zur AI-Max-Umstellung aufgeschrieben.
Was das für kleine und mittlere Unternehmen heißt
Suchkampagnen. Suchanfragen werden länger und näher an gesprochenen Sätzen. Enge Keyword-Listen decken das immer schlechter ab, Broad Match oder AI Max mit Smart Bidding immer besser. Der Preis dafür ist Streuung. Deshalb ist der Suchbegriffsbericht in meinen Konten die wichtigste wöchentliche Routine, zusammen mit gepflegten auszuschließenden Keywords. Die Grundlagen stehen im Guide zur Keyword-Recherche.
Shopping und Performance Max. Hier ist der Produktfeed das Rohmaterial. Titel, Attribute, Verfügbarkeit, Preis: Was dort fehlt, kann kein Algorithmus erraten. Aus meiner Sicht ist Feed-Qualität inzwischen Teil der Anzeigenqualität.
Markenkampagnen. Die unterschätzte Bewegung: Jemand liest eine KI-Antwort, in der dein Unternehmen vorkommt, und sucht danach deinen Namen. Bist du auf den eigenen Namen nicht sichtbar, verschenkst du genau den günstigen Klick, den die KI-Antwort dir gerade beschert hat. Markenkampagnen würde ich deshalb zuletzt abschalten, nicht zuerst.
Demand Gen. Bedarf entsteht oft, bevor jemand deinen Namen kennt oder überhaupt sucht. Diese Phase deckt Demand Gen ab, für erklärungsbedürftige Angebote eine sinnvolle Ergänzung, wie im Guide zu Demand-Gen-Kampagnen beschrieben.
Ob dein Unternehmen in der KI-Antwort selbst genannt wird, ist eine organische Frage. Damit keine falsche Erwartung entsteht: Ich biete kein SEO an. Ich erwähne den Punkt, weil er auf die Markensuche und damit auf den Ads-Teil wirkt. Wenn du dafür Unterstützung brauchst, ist ein spezialisierter Partner der richtige Weg.
Bei einem Budget von einigen tausend Euro im Monat verändert die KI-Suche deine Prioritätenliste weniger, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Die Reihenfolge bleibt aus meiner Sicht dieselbe: erst messen können, dann Material liefern, dann Reichweite kaufen.
Was du jetzt im Konto prüfen solltest
Diese Punkte lohnen sich unabhängig davon, wie schnell Anzeigen im AI Mode nach Deutschland kommen:
- Conversion-Tracking härten. Zählung ohne Doppelungen, Enhanced Conversions, Consent Mode v2 und, wo möglich, Conversion-Werte statt reiner Stückzahlen. Je automatischer die Ausspielung, desto mehr hängt an diesem Signal. Wie ich das aufsetze, steht in der Anleitung zum Conversion-Tracking.
- AI-Max-Status klären. Welche Suchkampagnen hat Google seit September schon umgestellt? Läuft das so, wie du es willst, oder brauchst du Markenausschlüsse und engere Zielseiten?
- Suchbegriffe wöchentlich lesen. Mit Broad Match und AI Max steigt die Vielfalt der Anfragen. Auszuschließende Keywords sind deine wichtigste Bremse.
- Assets vervollständigen. Genug Anzeigentitel und Beschreibungen, die auch einzeln Sinn ergeben, Bilder in mehreren Formaten und eine Zielseite, die dieselbe Sprache spricht wie die Anzeige.
- Anzeigensprache prüfen. Seit September 2026 entfernt Google laut Google-Hilfe die Spracheinstellung auf Kampagnenebene schrittweise aus Suchkampagnen. Google ordnet Anzeigen dann über ihre Sprache zu. Anzeigen und Zielseite gehören deshalb in die Sprache deiner Kunden.
- Feed und Merchant Center pflegen, wenn du Shopping oder Performance Max nutzt.
- Markenkampagne laufen lassen und einmal im Monat die drei wichtigsten Suchbegriffe selbst eingeben. Gibt es eine AI Overview? Kommt dein Unternehmen darin vor, wer wird stattdessen genannt? Das kostet zehn Minuten und ersetzt jede Prognose durch eine Beobachtung.
Wenn du das Tracking nicht selbst aufsetzen willst, übernehme ich das im Rahmen meiner Tracking-Leistung.
Was ich nicht behaupte
- Ich behaupte nicht, dass Klickpreise wegen KI-Flächen um einen bestimmten Betrag steigen. Weniger organischer Raum spricht für mehr Druck auf bezahlte Flächen, neue Flächen sprechen für mehr Inventar.
- Ich behaupte nicht, dass ein bestimmter Anteil der Suchanfragen betroffen ist. Diese Zahl kenne ich nicht.
- Ich behaupte nicht, dass ich dich in KI-Antworten platzieren kann. Das kann niemand zusagen.
- Ich behaupte nicht, wann Anzeigen innerhalb von AI Overviews oder im AI Mode in Deutschland starten. Google hat dafür keinen Termin genannt.
Was ich behaupte: Konten mit sauberen Daten und gutem Material kommen durch jede Format-Verschiebung besser als Konten ohne.
Mein Fazit
Einen Starttermin für Anzeigen im AI Mode in Deutschland hat Google Stand Oktober 2026 nicht genannt, über und unter AI Overviews können Anzeigen dagegen schon heute erscheinen. Der Zugang läuft über Broad Match, AI Max, Performance Max und Shopping, und der Test mit Exact und Phrase Match zeigt, dass sich die Regeln noch bewegen. Wer sein Tracking im Griff hat und AI Max bewusst steuert, statt es einfach laufen zu lassen, ist für beide Fälle vorbereitet.
Wenn du das nicht nebenher machen willst, gibt es dafür die laufende Google-Ads-Betreuung, ab 1.000 € im Monat. Weil ich täglich in Google-Ads-Konten arbeite, verfolge ich Änderungen an Formaten und Kampagnentypen laufend und passe die Konten an, sobald etwas in Deutschland ankommt. Wie stark KI-Werkzeuge in meiner eigenen Arbeit vorkommen, steht offen auf der Seite KI in Zahlen.
Stand: Oktober 2026




