
Google Ads in der KI-Suche: Was sich für KMU ändert
KI-Antworten verändern die Suche. Was das für Google Ads in kleinen Unternehmen heißt, welche Kampagnentypen zählen und was du heute vorbereiten kannst.
TL;DR
KI-Antworten verkürzen vor allem den Weg bei Wissensfragen; kommerzielle Suchen laufen aus meiner Praxis weiterhin über Anzeigenflächen, in die Google Werbung zusätzlich integriert. Ein separat buchbares KI-Placement und ein eigenes Berichtssegment dafür sind mir nicht bekannt: Die Flächen werden aus bestehenden Such-, Shopping-, Performance-Max- und Demand-Gen-Kampagnen bespielt. Für kleine und mittlere Unternehmen bleibt die Reihenfolge damit gleich, erst saubere Conversion-Daten, dann vollständige Assets und Feeds, dann Reichweite.
Seit KI-Antworten über den Suchergebnissen stehen, kommt in fast jedem Erstgespräch dieselbe Frage: Lohnen sich Google Ads überhaupt noch, wenn Google die Antwort gleich selbst liefert? Meine kurze Antwort aus der Praxis: ja, aber die Arbeit verschiebt sich.
Vorweg die Einordnung, damit klar ist, was dieser Text ist und was nicht. Das hier ist eine Praxis-Sicht aus laufenden Konten kleiner und mittlerer Unternehmen, keine Marktprognose. Ich nenne bewusst keine Prozentzahlen zu Klickverlusten und keine Rollout-Termine, die ich nicht selbst geprüft habe. Wo ich einschätze, schreibe ich das dazu. Welche KI-Werkzeuge ich in der eigenen Arbeit tatsächlich einsetze, steht offen auf der Seite KI in Zahlen.
Was sich in der Suche gerade verschiebt
Zwei Dinge sind sichtbar, und beide kannst du selbst nachvollziehen, indem du deine eigenen Kernbegriffe eingibst.
Erstens beantwortet Google immer mehr Fragen direkt oben auf der Ergebnisseite, als zusammengefasste KI-Antwort mit Quellenverweisen. Zweitens gibt es daneben einen dialogischen Modus, in dem Nutzer nachfragen, vergleichen und eingrenzen, statt eine neue Suche zu starten.
Der praktische Effekt in den Konten, die ich betreue: Der Weg zur Antwort wird kürzer, der Weg zur Website länger. Wer eine reine Wissensfrage stellt, klickt seltener weiter. Wer dagegen kaufen, beauftragen oder anrufen will, landet weiterhin sehr schnell in einem Umfeld mit Anzeigen. Genau dieses Umfeld ist Googles Geschäftsmodell, und ich sehe keinen Anlass für die Annahme, dass Google es abschafft.
Wie stark sich das auswirkt, hängt erfahrungsgemäß weniger an der Branche als am Anfragetyp. Beratungslastige Themen mit vielen Wissensfragen spüren mehr davon, klare Bedarfsfälle wie ein defekter Heizkessel oder ein kurzfristiger Termin spüren wenig. Belastbare, branchenübergreifende Zahlen dazu habe ich nicht, und wer dir welche nennt, sollte sie belegen können.
Anzeigen in und neben KI-Antworten
Google zeigt Werbung in und um KI-Antworten herum, gekennzeichnet als gesponsert. Für die tägliche Arbeit sind daran zwei Punkte wichtiger als das Format selbst.
Erstens: Ein separat buchbares Platzierungsziel nur für KI-Antworten ist mir nicht bekannt. Du legst also keine KI-Kampagne an. Die Flächen werden aus dem bespielt, was ohnehin läuft, aus Such-, Shopping-, Performance-Max- und Demand-Gen-Kampagnen. Der Hebel liegt damit nicht im Buchen, sondern im Zuliefern: Wie gut versteht das System, was du anbietest, für wen, zu welchem Preis und an welchem Ort?
Zweitens: Ein Berichtssegment, das dir sauber getrennt ausweist, welche Klicks aus einer KI-Antwort stammen, kenne ich nicht. Wenn dir jemand einen KI-Sichtbarkeitsreport für Google Ads verkauft, frag nach, aus welchem Feld im Konto diese Zahl kommt. Für die Praxis heißt das: Du steuerst weiter über Conversions, Umsatz und Suchbegriffe, nicht über eine neue Kennzahl.
Beides zusammen ergibt eine unbequeme, aber ehrliche Konsequenz. Die Steuerung wandert weiter in Richtung Daten und Material. Dein Einfluss liegt in dem, was du dem System gibst.
Was das für die Kampagnentypen heißt
Suchkampagnen. Die Sprache der Anfragen wird länger und näher an gesprochenen Sätzen. Enge Keyword-Listen decken das immer schlechter ab, weitgehend passende Keywords in Kombination mit Smart Bidding immer besser. Der Preis dafür ist Streuung. Deshalb ist der Suchbegriffsbericht in meinen Konten die wichtigste wöchentliche Routine geworden, zusammen mit gepflegten auszuschließenden Keywords. Die Grundlagen dazu stehen im Guide zur Keyword-Recherche.
Shopping und Performance Max. Hier ist der Produktfeed das Rohmaterial. Titel, Attribute, Verfügbarkeit, Preis: Was dort fehlt, kann kein Algorithmus erraten. Aus meiner Sicht ist Feed-Qualität inzwischen ein Teil der Anzeigenqualität, nicht mehr eine Fleißaufgabe daneben.
Demand Gen. Der Bedarf entsteht öfter, bevor jemand deinen Namen kennt oder überhaupt eine Suche startet. Genau diese Phase adressiert Demand Gen. Für sehr kleine Budgets ist das kein Pflichtprogramm, für erklärungsbedürftige Angebote aber eine sinnvolle Ergänzung, wie im Guide zu Demand-Gen-Kampagnen beschrieben.
Markenkampagnen. Die unterschätzte Bewegung: Jemand liest eine KI-Antwort, in der dein Unternehmen vorkommt, und sucht anschließend deinen Namen. Wenn du auf den eigenen Namen nicht sichtbar bist, verschenkst du ausgerechnet den günstigen Klick, den die KI-Antwort dir gerade beschert hat. Markenkampagnen würde ich deshalb zuletzt abschalten, nicht zuerst.
Drei Hausaufgaben, die sich unabhängig vom Format lohnen
Das Angenehme an dieser Umbruchphase: Alles, was dich für KI-Flächen vorbereitet, zahlt schon heute auf die Leistung ein. Es gibt hier also keine Wette, die du verlieren kannst.
1. Conversion-Daten in Ordnung bringen
Je automatischer die Ausspielung wird, desto stärker hängt alles an dem einen Signal, das du selbst lieferst: Was ist bei dir eine Conversion, und was ist sie wert? Konkret heißt das eine Zählung ohne Doppelungen, Werte statt reiner Stückzahlen, eine funktionierende Einwilligungssteuerung und, wenn möglich, den Rückkanal aus dem CRM für die Anfragen, die tatsächlich zu Aufträgen werden. Wackelt dieser Teil, optimiert das System zuverlässig auf das Falsche. Wie ich das aufsetze, steht in der Anleitung zum Conversion-Tracking.
2. Assets, Feed und Zielseite füttern
Anzeigen werden zunehmend aus Bausteinen zusammengesetzt, statt als fertiger Block ausgeliefert. Für dich heißt das: genug Anzeigentitel und Beschreibungen, die auch einzeln Sinn ergeben, Bilder in mehreren Formaten, ein vollständiger Feed und eine Zielseite, die dieselbe Sprache spricht wie die Anzeige. Ein Satz, der nur im Zusammenspiel mit dem Nachbarsatz funktioniert, ist in diesem Umfeld ein Risiko.
3. In zitierfähigen Quellen vorkommen
KI-Antworten setzen sich aus Quellen zusammen. Wer in diesen Quellen gar nicht auftaucht, taucht auch in der Antwort nicht auf. Zur ehrlichen Einordnung gehört deshalb: Eigene Inhalte, die eine Frage klar und faktisch beantworten, ein gepflegtes Unternehmensprofil, korrekte Kontakt- und Standortdaten und Erwähnungen dort, wo deine Branche stattfindet, sind heute mehr wert als früher.
Damit keine falsche Erwartung entsteht: Ich biete kein SEO an. Ich nenne diesen Punkt, weil er den Ads-Teil beeinflusst, nicht weil ich ihn dir verkaufe. Wenn du dafür Unterstützung brauchst, ist ein spezialisierter Partner der richtige Weg.
Was ich nicht behaupte
- Ich behaupte nicht, dass Klickpreise wegen KI-Antworten um einen bestimmten Betrag steigen. Es gibt Argumente in beide Richtungen: Weniger organischer Raum spricht für mehr Druck auf bezahlte Flächen, neue Flächen sprechen für mehr Inventar.
- Ich behaupte nicht, dass ein bestimmter Anteil der Suchanfragen betroffen ist. Diese Zahl kenne ich nicht.
- Ich behaupte nicht, dass ich dich in KI-Antworten platzieren kann. Das kann niemand zusagen.
- Ich behaupte nicht, dass klassische Suchanzeigen kurzfristig verschwinden. Danach sieht es aus meiner Sicht nicht aus.
Was ich behaupte: Konten mit sauberen Daten und gutem Material kommen durch jede Format-Verschiebung besser als Konten ohne.
Meine Einschätzung für kleine und mittlere Unternehmen
Wenn du ein Budget im Bereich einiger tausend Euro im Monat steuerst, verändert die KI-Suche deine Prioritätenliste weniger, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Die Reihenfolge bleibt aus meiner Sicht dieselbe: erst messen können, dann Material liefern, dann Reichweite kaufen.
Was ich ändern würde, ist die Routine. Schau dir einmal im Monat an, was passiert, wenn du deine drei wichtigsten Suchbegriffe selbst eingibst. Steht dort eine KI-Antwort? Kommt dein Unternehmen darin vor? Wer wird stattdessen genannt? Das kostet zehn Minuten und ersetzt jede Prognose durch eine Beobachtung.
Und wenn du das nicht nebenher machen willst: Genau dafür gibt es die laufende Google-Ads-Betreuung, ab 1.000 Euro im Monat. Als aktiver Google Partner bekomme ich Änderungen an Formaten und Kampagnentypen früh mit, was bei einer Suche im Umbau hilft. Eine ausführlichere Einordnung zu AI Overviews und AI Mode habe ich im Beitrag zur KI-Suche 2026 aufgeschrieben, und wie stark KI-Werkzeuge in meiner eigenen Arbeit vorkommen, kannst du auf der Seite KI in Zahlen nachlesen.
Stand: August 2026
Häufige Fragen
Ersetzen KI-Antworten Google Ads?
Danach sieht es aus meiner Praxis nicht aus. KI-Antworten beantworten vor allem Wissensfragen und verkürzen dort den Weg. Wer kaufen, beauftragen oder anrufen will, landet weiterhin in einem Umfeld mit Anzeigen, und Google baut Werbung zusätzlich in die KI-Flächen ein. Was sich ändert, ist nicht das Ob, sondern das Wie: mehr Automatisierung, mehr Gewicht auf Conversion-Daten, Assets und Feeds. Das ist meine Einschätzung auf Basis laufender Konten, keine Garantie.
Kann ich Anzeigen in KI-Antworten gezielt buchen?
Ein separat buchbares Platzierungsziel nur für KI-Antworten ist mir nicht bekannt. Google speist diese Flächen aus bestehenden Kampagnen, vor allem aus Such-, Shopping-, Performance-Max- und Demand-Gen-Kampagnen. Auch ein Berichtssegment, das Klicks aus KI-Antworten sauber getrennt ausweist, kenne ich nicht. Wer dir eine gezielte Buchung oder einen exakten Report dafür verspricht, sollte zeigen können, an welcher Stelle im Konto das steht.
Was sollte ich als kleines Unternehmen zuerst anpacken?
In dieser Reihenfolge: Erstens das Conversion-Tracking prüfen, inklusive Werten und Einwilligungssteuerung, weil jede Automatik nur so gut ist wie dieses Signal. Zweitens Anzeigen-Assets, Produktfeed und Zielseite vervollständigen, damit das System überhaupt Material hat. Drittens die eigenen Kernbegriffe einmal im Monat selbst suchen und notieren, ob und wie dein Unternehmen in der KI-Antwort vorkommt. Alle drei Punkte nützen auch dann, wenn sich an den KI-Flächen wenig ändert.
Mijo Jurisic
Google Ads Consultant & Gründer von MJ Marketing. Über fünf Jahre Praxis: vom autodidaktischen Start bis zum Google Premier Partner Programm mit 500+ direkten Google-Ads-Kunden und €20+ Mio. verantwortetem Mediabudget.
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