Fahrschule bei Google Ads: jede Klasse wird anders gesucht
Ehrliches Fachwissen zu Google Ads in deiner Branche: ohne Werbeversprechen, dafür mit dem, was in der Praxis typischerweise funktioniert.
Fahrschul-Suchen laufen in zwei Sprachen. Die eine ist das Klassenkürzel aus der Fahrerlaubnis-Verordnung, also B, A2, BE oder CE. Die andere ist Alltagssprache: „125er mit Autoführerschein“, „Führerschein für Anhänger“, „Führerschein mit 17“ oder „Automatik Führerschein“. Dahinter stecken konkrete Angebote, nämlich die Schlüsselzahl B196, die Klasse BE oder die Schlüsselzahl B96, das Begleitete Fahren und die Schlüsselzahl B197, nur kennt diese Kürzel kaum jemand, der zum ersten Mal sucht. Wer im Konto ausschließlich mit Kürzeln arbeitet, erreicht nur die Informierten. Wer nur Alltagssprache nutzt, verpasst die, die schon genau wissen, was sie wollen. In jede Anzeigengruppe gehören deshalb beide Varianten als Keywords, und unter den Headlines stehen beide Schreibweisen, damit Google die passende ausspielen kann.
1Beim Begleiteten Fahren sucht oft nicht nur der künftige Fahrschüler, sondern die ganze Familie, und dazu kommt ein technischer Punkt, der selten bedacht wird: Google lässt grundsätzlich kein Targeting nach Alter, Geschlecht oder Interessen bei Nutzern unter 18 zu. Zielgruppen, die Sechzehnjährige gezielt ansprechen sollen, fallen damit weg, erreichbar sind sie über ihre eigene Suchanfrage. Die Eltern suchen anders und früher, denn die Ausbildung beginnt schon vor dem 17. Geburtstag, und bei Minderjährigen unterschreiben sie den Ausbildungsvertrag in der Regel mit. Der Bedarf entsteht mit dem Geburtstag, und Geburtstage verteilen sich über das ganze Jahr. Die BF17-Kampagne ist deshalb eine reine Suchkampagne, getragen von Keywords statt Zielgruppen, und sie läuft ganzjährig mit gleichmäßigem Grundbudget, Ferienwellen kommen obendrauf.
2Bei Preisen gelten für Fahrschulen eigene Regeln. § 32 des Fahrlehrergesetzes verlangt einen Preisaushang je Fahrerlaubnisklasse mit Grundbetrag, dem Entgelt für die Fahrstunde zu 45 Minuten, den besonderen Ausbildungsfahrten und der Vorstellung zur Prüfung. Diese Angaben gelten auch, sobald in der Werbung außerhalb der Geschäftsräume Entgelte genannt werden, und zwar nach den Grundsätzen der Preisklarheit und Preiswahrheit. In eine Suchanzeige mit 90 Zeichen Beschreibung passt das nicht, und dasselbe Problem stellt sich bei Preis-Assets, die einzelne Beträge unter der Anzeige einblenden. Prüfe vor dem Start, ob deine bestehenden Anzeigen diesen Vorgaben genügen. Mein Vorgehen ist schlicht: keine Beträge im Anzeigentext, dafür ein Sitelink auf eine vollständige Kostenübersicht je Klasse.
3Jede Klasse hat ihren eigenen Kalender, und das Budget sollte ihm folgen. Pkw-Intensivkurse hängen an den Schulferien, deren Termine sich je nach Bundesland unterscheiden. In Hochschulstädten kommt die vorlesungsfreie Zeit im Frühjahr und im Spätsommer als zweite Welle hinzu, weil Studierende dann Zeit am Stück haben. Motorrad, B196 eingeschlossen, ist ein Frühjahrsthema. Lkw- und Busklassen folgen eher dem Arbeitsmarkt als dem Wetter, und Aufbauseminare für Fahranfänger fallen das ganze Jahr an, wann immer eine Fahrerlaubnisbehörde eines anordnet. Ein gemeinsames Tagesbudget für alles verteilt das Geld nach den Suchvolumina, nicht nach deiner Auslastung. Ich trenne die Klassen deshalb in eigene Kampagnen mit eigenem Budget und verschiebe monatlich dorthin, wo Nachfrage und freie Fahrlehrerstunden gerade zusammenkommen.
4Lkw- und Busklassen sind ein eigener Markt mit anderen Käufern. Ein Teil der Anfragen kommt von Arbeitsuchenden, die nach „Lkw Führerschein Bildungsgutschein“ oder „Berufskraftfahrer Umschulung“ suchen. Mit Förderung kannst du grundsätzlich nur werben, wenn die Maßnahme nach AZAV zugelassen ist, und über den Gutschein entscheidet die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter, nicht die Fahrschule. Ein „kostenlos“ in der Anzeige verspricht also etwas, das nicht in deiner Hand liegt. Der andere Teil sind Betriebe, die ihre Fahrer zur vorgeschriebenen Weiterbildung nach dem Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz schicken; sie buchen feste Termine für mehrere Fahrer und zahlen auf Rechnung. Fürs Konto folgen daraus zwei getrennte Kampagnen, eine für geförderte Ausbildung und eine für Firmenkunden, jeweils mit eigener Zielseite und eigenem Anfrageformular.